10.12.2010
Richtig krankenversichert - auch in Entwicklungsländern
Berlin (DWEKD) - Entwicklungsländer haben oft große Schwierigkeiten, ihren Bürgern und Bürgerinnen, vor allem den Armen, eine ausreichende Gesundheitsversorgung zu garantieren. Während einer Podiumsdiskussion von Evangelischer Entwicklungsdienst (EED) und Diakonie Bundesverband Anfang Dezember in Berlin diskutierten die Teilnehmenden Vorschläge zum Aufbau von Krankenversicherungen, die auch den Armen zugute kommen.
In vielen Ländern des Südens ist eine schwere Krankheit eine existenzielle Bedrohung für eine ganze Familie. Es gibt keine Krankenversicherungen, Familien müssen anfallende Kosten für medizinische Behandlungen und für den Arbeitsausfall eines Familienmitglieds selbst tragen. Oft verschlimmert dies ihre Armut oder die Krankheit wird aus Geldmangel gar nicht behandelt. Krankheit ist somit oft ein Armutsrisiko und Hemmnis von Entwicklung.
Die Podiumsdiskussion zum Thema „Solidarische Krankenversicherung“ fand im Rahmen des Kongresses „Armut und Gesundheit“ am Freitag, den 3. Dezember, in Berlin statt. Die Gesprächsrunde befasste sich somit auch mit dem Thema „Gesundheitsfinanzierung“, dem zentralen Thema des „Weltgesundheitsberichts 2010“ der Weltgesundheitsorganisation.
Ein Beispiel für ein Land, das sich auf einem guten Weg befindet, ist Tansania.
Die Regierung des ostafrikanischen Staats hat in den letzten Jahren die staatlichen Mittel für Gesundheitsversorgung konsequent erhöht. Ziel ist es, 15 Prozent des Bruttonationaleinkommens für Gesundheit aufzubringen. Bis zu dem Ziel einer flächendeckenden Krankenversicherung bleiben gerade Menschen auf dem Land, besonders verletzlich für Armut durch Krankheit. Der EED engagiert sich in diesem Bereich seit mehreren Jahren in der Förderung von Gemeindegetragenen und Selbstverwalteten Krankenversicherungen.
„Die Idee der Gemeindegetragenen Krankenversicherungen ist einfach. Eine Gruppe von Menschen bildet eine kleine 'Versicherung', in die alle einzahlen. Im Krankheitsfall profitieren dann einzelne von dieser Solidarität in Form einer Auszahlung“, so Fahdi Dkhimi, der für eine EED-Partnerorganisation in Tansania gearbeitet hat. Die Behandlung von Malaria und anderen Krankheiten und die medizinische Versorgung bei Geburten solle so ermöglicht werden. Die Mitglieder verwalten eine solche Krankenkasse zudem selbst. Sie würden so ihre Organisations- und Finanzmanagement-Fähigkeiten stärken.
In Deutschland besteht eine soziale Krankenversicherung, die auf dem Solidaritäts-Prinzip aufbaut.
Danach sollen die Reichen die Armen und die Gesunden die Kranken unterstützen. Jeder der einzahlt, wenn er oder sie gesund ist, erhält in einem anderen Lebensabschnitt Unterstützung, wenn sie krank ist. Viele Länder des Südens streben den Aufbau solcher Versicherungen an.
Oft sehen sie sich dabei vor massive Probleme gestellt: Zu wenige Menschen stehen in einem formalen Beschäftigungsverhältnis mit festem und ausreichendem Einkommen. So bleibt die Basis der Versicherung, die monatliche Abgaben, relativ klein. „Auch in Deutschland hat es lange Jahre gedauert, dieses System aufzubauen. Dazu ist vor allem auch die nötige Setzung der Prioritäten wichtig, der ‚politische Wille’“, so Podiumsteilnehmer Evert Jan van Lente, der Entwicklungsländer im Aufbau von solidarischen Krankenversicherungen berät. Es sei ein langsamer Prozess, aber es gebe Beispiele wie Indonesien, die zeigten, dass dies möglich sei.
Der Weltgesundheitsbericht stellt fest, dass Länder verschiedene Wege einschlagen können, um Gesundheitssicherung zu erreichen. Dazu können sie aus einem Mix an Instrumenten wählen. Es gibt nicht die eine Lösung, die für alle Länder und alle Bereiche die einzig Richtige ist. Hier haben Gemeindegetragene Krankenversicherungen ihre Berechtigung. Es wird angestrebt, dass diese Versicherungen in die staatliche soziale Krankenversicherung integriert werden, wenn diese ausgebaut wird. „Wenn die Menschen ihre Versicherung nicht selber Hand in die nehmen, bleibt ihnen nichts, so lange der Staat nicht die Mittel hat, für alle zu sorgen“, so Fahdi Dhkimi.
Zur Finanzierung von Gesundheit für alle gehört nicht zuletzt auch, dass die reichen Industrieländer wie Deutschland ihre selbst eingegangenen Verpflichtungen erfüllen. So könnte beispielsweise mit der versprochenen Zahlung der G8-Länder für Gesundheitssysteme und Mütter- und Kindgesundheit die armen Länder eine ausreichende Finanzierung von Gesundheitsdienstleistungen erreichen.
Zudem lohnen sich Investitionen in Gesundheit. Ergebnis ist ein besserer Gesundheitszustand der Bevölkerung, höhere Produktivität und Verbesserung der Lebensqualität.
EED und Diakonie wollen weiter die Bestrebungen unterstützen, dass globale Standards für soziale Sicherung geschaffen werden. Dazu sind solidarische Krankenversicherungen ein Mittel. Alle Menschen sollten ihr Recht auf Gesundheit umsetzen können, egal in welchem Land sie wohnen und ob sie arm oder reich sind.

