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25.01.2012

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Mehrgenerationenhaus der Diakonie: Mehr als ein Treffpunkt von Jung und Alt

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Das Begegnungszentrum der Diakonie Bamberg-Forchheim ist eines von 500 Mehrgenerationenhäusern in Deutschland, die vom Bundesfamilienministerium gefördert werden. Die Initiatoren sind hier besonders einfallsreich. Das Ziel: Nicht nur Begegnungen und gegenseitiges Unterstützen im Alltag zwischen den Generationen, sondern auch zwischen den verschiedenen Kulturkreisen.

Immer nur brav zuhören und nicken ist nicht ihr Ding. Lieber erklärt Betül Karabak selbst, was Sache ist. Dazu hat die Achtklässlerin im Mehrgenerationenhaus des Diakonischen Werkes Bamberg-Forchheim viel Gelegenheit: Beim Projekt „Informationstechnik für alle – Computerlotsen helfen“ führen sie und ihre Mitschüler Senioren in die virtuelle Welt ein. Dafür erhielten unlängst das Mehrgenerationenhaus und ihre Schule, die Adalbert-Stifter-Mittelschule, gemeinsam den Forchheimer Bürgerpreis.  

Die Freude über diese Anerkennung ist groß. Schließlich opfern die Schüler jede Woche freiwillig nach der Schule zwei Stunden ihrer Freizeit. Und die Senioren – im Schnitt zwischen 65 und 75 Jahre alt – wissen die Geduld der jungen „Lehrerinnen und Lehrer“ zu schätzen. Die unerfahrenen Computerneulinge haben großen Respekt vor dem PC und befürchten oft, etwas „kaputt zu machen“. Doch diese Angst ist grundlos. „Wir haben jeden Schritt tausendmal ganz langsam erklärt“, erzählt Betül Karabak. „Das Schönste war immer, wenn uns die Senioren in der nächsten Stunde freudestrahlend zeigen konnten, was sie von uns gelernt hatten.“  

Sozialkompetenz stärken

Inzwischen muss Kathrin Reif, die Leiterin des Mehrgenerationenhauses in Forchheim, die Senioren oft auf den nächsten Kurs vertrösten – so groß ist die Nachfrage geworden. Für sie hat das vor drei Jahren entstandene Konzept gerade auch deshalb Erfolg, weil Schüler und Senioren gleichermaßen profitieren: „Die Schüler können ihre Kenntnisse weitergeben und stärken beim Umgang mit älteren Menschen ihre Sozialkompetenz. Und die Senioren lernen in aller Ruhe den Umgang mit PC und Internet.“ Den Achtklässlern macht es jedenfalls großen Spaß, in die Rolle der Lehrkraft zu schlüpfen. Betül Karabak bringt es auf den Punkt: „Es ist echt cool, mal der Besserwisser zu sein.“ Neben einer Urkunde erhalten sie und ihre Klassenkameraden eine Saisonkarte für das neue Freizeitbad.  

Freiwillig engagiert als Integrationslotse

Das Mehrgenerationenhaus des Diakonischen Werkes Bamberg-Forchheim gibt es seit Ende 2008. Es liegt in einem Stadtteil, in dem viele Migranten und Arme leben. Zu den Aufgaben der Einrichtung gehören deshalb auch sämtliche Angebote der Nachbarschaftshilfe sowie ein Hilfe- und Beratungszentrum für Menschen, die in sozialen und persönlichen Problemen feststecken. Doch vor allem die interkulturelle Arbeit spielt eine große Rolle. Sie soll in Zukunft stärker ausgebaut werden. Die Diakonie Bamberg-Forchheim ist dabei, einen Stab aus ehrenamtlichen Integrationslotsen aufzubauen, die ausländischen Mitbürgern helfen sollen, sich in Deutschland besser einzuleben.    

„Mama und Papa lesen nie vor“

Ohne freiwilliges Engagement geht im Mehrgenerationenhaus gar nichts. Davon ist auch Brigitte Krause (Foto) überzeugt. Nach ihrer Pensionierung suchte die Lehrerin eine „sinnvolle Aufgabe“ – und fand sie im Mehrgenerationenhaus Forchheim. Kaum hat sie sich mit ihrer Handpuppe auf einem Stuhl niedergelassen, drängen auch schon Kinder in den hellen, gemütlichen Raum. Brigitte Krause ermuntert die Zwei- bis Fünfjährigen, ihr Stichworte zuzurufen, die sie auf einem Zettel notiert. „Auto“, ruft ein Junge. „Pferd“, sagt ein Mädchen mit blonden Locken und gleich darauf fällt ihr ein, dass sie noch dringend „Pipi“ machen muss. Brigitte Krause lacht. Sie kennt das. Bis alle Kinder bereit sind zum Zuhören, vergeht eine Weile. Doch die Geschichte, die sie aus dem Stegreif erzählt, ist so spannend, dass sie die Kleinen schnell in ihren Bann zieht. Die vierjährige Julia ist zum zweiten Mal dabei. Hier hört sie Geschichten, die sie noch nicht kennt. „Mama und Papa lesen nie vor.“  

Grenzenlose Begegnung

Währenddessen bereitet Sigrid Lukas im Mehrzweckraum alles für ihre „Klangwerkstatt“ vor. Die engagierte Musikpädagogin hat ein Gespür dafür, was Kindern Spaß macht. Mit Sing- und Bewegungsspielen ermuntert sie die Mädchen und Jungen, fest dieTrommel zu schlagen. Die meisten sind russischer und türkischer Herkunft. Musik spiele in ihrem Land und in der Familie traditionell eine große Rolle, erzählt eine türkische Mutter in gebrochenem Deutsch.

„Bei uns geht es nicht nur um generations-, sondern auch um kulturübergreifende Begegnungen“, resümiert Kathrin Reif. Fast wie von selbst werden so die Grenzen des Alters und die der Nationalität durchlässiger.  

Text und Foto: Elke Endraß  

Weitere Informationen:
Informationen der Diakonie Bamberg-Forchheim zum Mehrgenerationenhaus
www.mehrgenerationenhaeuser.de/forchheim

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