27.10.2003
Luther – der Reformator im Kinoformat
Pünktlich zum Reformationstag startet am 30. Oktober der Kinofilm "Luther". Im Stil großer Hollywoodfilme wird das Leben des Reformators Martin Luther geschildert.
Stars wie Joseph Fiennes, Sir Peter Ustinov, Bruno Ganz und Uwe Ochsenknecht wirken bei der internationalen Produktion mit.
"Wer den Protestantismus verstehen will, muss eine Ahnung von der Bedeutung Martin Luthers haben", erklärt Johanna Haberer, Professorin für Christliche Publizistik an der Uni Erlangen. Viele Menschen wissen zwar, dass Martin Luther der "Vater des Protestantismus" ist, weil er seine 95 Thesen an die Wittenberger Kirchentür genagelt und damit die Reformation im 16. Jahrhundert ausgelöst hat. Als Revolutionär wider Willen hat "der unbedeutende Mönch aus einer hinterwäldlerischen Kleinstadt am Rande der Zivilisation" die mächtigsten Herrscher der Welt herausgefordert. "Alle protestantische Stimmen berufen sich auf den geistigen Aufbruch, der durch Martin Luther und die Reformation ausgelöst wurde. Viele Entwicklungen sind in Gang gesetzt worden, die bis heute die europäische, die westliche Zivilisation tragen", betont Haberer.
Der Konflikt zwischen Martin Luther und der Römischen Kirche wurde durch den kirchlichen Ablasshandel ausgelöst. Während einer Pilgerfahrt konnte man gegen geringes Geld sogenannte Ablassbriefe kaufen. Mit einem Stück Papier sicherte sich der Käufer einen Platz im Himmel, ohne dass er für seine Sünden Buße tun musste. Luther fand den Handel mit Ablassbriefen nicht nur verwerflich, er bekämpfte ihn auch aus theologischen Gründen. Als junger Mönch gab es für ihn nur den gerechten Gott, der die Sünder straft. Erlösung und Vergebung waren auch durch untadeligen Lebenswandel nicht zu erlangen. Daher waren Ablassbriefe nicht nur sinnlos, sondern von Übel, da sie die Leute vom wahren Weg zum Heil ablenkten und den Armen das Geld nahmen, das sie für Kleidung und Essen brauchten.
Kurzinhalt des Films
1505: Der junge Martin Luther gerät in ein Unwetter, ein Blitz verfehlt ihn nur knapp. Zu Tode geängstigt gibt er sein Studium der Rechte auf und wird Mönch im Augustiner-Kloster zu Erfurt. Nach seiner Pilgerfahrt nach Rom 1510 geht er zum Theologiestudium nach Wittenberg, wo er 1517 seine 95 Thesen als Protest gegen den Ablasshandel von Papst Leo X. an die Tür der Schlosskirche schlägt. 1518 verlangt Rom den Widerruf der Thesen. Doch Luther bleibt standhaft. Auch vor Kaiser Karl V. auf dem Reichstag zu Worms (1521) erkennt er nur eine Autorität an: die Bibel.
Vom Papst exkommuniziert und vom Kaiser geächtet, wird Luther zum Ketzer erklärt. Um sein Leben zu retten, lässt Friedrich der Weise ihn auf die Wartburg entführen. Dort übersetzt Luther innerhalb von elf Wochen das Neue Testament aus dem Griechischen ins Deutsche. Seine Lehren finden immer mehr Anhänger. Doch der Preis dafür ist hoch: Luther muss erkennen, dass nicht nur die Bauern ihn gründlich missverstehen. Ihr Aufstand wird von den deutschen Landesfürsten blutig niedergemetzelt. Luther findet Trost und Unterstützung bei seiner späteren Frau Katharina von Bora. Der Kampf um die Reformation beginnt.
Producerin Brigitte Rochow: "Der Film erzählt die wichtigsten Stationen in Luthers Leben, ohne den Eindruck zu vermitteln, wir würden einfach ein Geschichtsbuch illustrieren wollen. Luthers Leben war weder trocken noch staubig, sondern stürmisch, hoch emotional und dramatisch. Es war bestimmt durch einen beängstigenden Kampf zwischen starkem Glauben und Versuchung, Härte und Verletzlichkeit, Entschlossenheit und Zweifel."
Viele Szenen im Film weichen bewusst von der historischen Überlieferung ab. "Die Geschichtsbuchhalter werden uns eine Rüge erteilen," erklärt Producer Christian Stehr. "Aber als Filmemacher sind wir über diese Szenen von Herzen froh."
Drehorte
Drehorte waren Deutschland, Italien und Tschechien. In Deutschland fanden die Aufnahmen entlang der Burgen und mittelalterlichen Städte in Thüringen und Franken, in Rauenstein, Hohenstein, in der Veste Coburg und der Wartburg statt. Viele der Burgen, die Luther aufsuchte, existieren noch, aber sie sind verändert, renoviert oder als Ruinen belassen worden. "In der renovierten Wartburg konnten wir zum Beispiel nicht die historischen Szenen drehen. Die Dachbalken sind pechschwarz, die Wände strahlend weiß. Zu Luthers Zeiten war diese Burg bereits verwohnt, feuchte, schimmelige Wände, abgetretene Stiegen und Fußböden", erklärte der Gesamtausstatter Rolf Zehetbauer.
Stichwort: Reformationstag
Der 31. Oktober 1517 gilt als der Geburtstag der Reformation. An diesem Tag soll der Augustinermönche Martin Luther 95 Thesen an die Tür der Wittenberger Schlosskirche geschlagen haben, in denen er den Ablasshandel der Kirche kritisiert. Historisch ist dies nach neuesten Forschungen nicht belegt. Kurfürst Georg von Sachsen setzte zur 150. Wiederkehr des Thesenanschlags den 31. Oktober als Gedenktag fest. Der Reformationstag ist heute nur in den neuen Bundesländern ein Feiertag.

