23.11.2006
Kein Rückgang von häuslicher Gewalt
Am 25. November ist Internationaler Tag gegen Gewalt gegen Frauen
Auch zehn Jahre nach der Weltfrauenkonferenz von Peking 1995, die als Meilenstein der internationalen Abkommen gegen Gewalt an Frauen gilt, ist die Gewalt in den eigenen vier Wänden nicht zurückgegangen.
Im Gegenteil, erst in den letzten Jahren wurde man sich überhaupt über das wirkliche Ausmaß bewusst. In Deutschland wird jede vierte Frau zumindest einmal in ihrem Leben Opfer von häuslicher Gewalt, in Äthiopien zum Beispiel fast die Hälfte. Weltweit fühlen sich 30 Prozent aller Mädchen zum ersten Geschlechtsverkehr gezwungen. In Uganda sehen 90 Prozent aller Frauen das Schlagen der Ehefrau als legitimes Mittel zur Konfliktlösung an.
Mit dem auf drei Jahre ausgelegten internationalen Projekt "Häusliche Gewalt überwinden" haben Diakonie und Brot für die Welt in Afrika, Asien, Latein Amerika, Osteuropa und Deutschland die Stimme gegen die körperliche und seelische Misshandlung von Frauen im häuslichen Bereich erhoben. Ziel war es, Organisationen und Institutionen zu vernetzen, ihr "Know-how" zu bündeln sowie erfolgreiche Strategien auszutauschen und weiterzuentwickeln.
Den Auftakt bildete ein Workshop mit Partnerorganisationen und Fachleute aus allen Kontinenten auf dem Weltsozialforum in Mumbai/Indien zur Vernetzung. Arbeitstreffen auf fast allen Kontinenten sollten den regionalen Austausch anregen. Workshops und Trainings boten Gelegenheit, andere Ideen kennen zu lernen und neue Aktivitäten zu planen. Lobbyaktivitäten sowie Bewusstseins- und Öffentlichkeitsarbeit sollten Geschlechtergerechtigkeit in die privaten Lebensbereiche bringen. Das Projekt endete mit einer internationalen Konferenz in Kamerun, bei der eine Resolution mit Forderungen verabschiedet wurde.
Um voneinander zu lernen, wurden erfolgversprechende Strategien zur Bekämpfung von Gewalt gegen Frauen vorgestellt. In Lateinamerika zum Beispiel haben einige Projekt gute Erfahrungen mit der Schulung von Polizisten gemacht. In Asien gibt es Projekte, in denen das Thema in Kunst und Medien thematisiert wird, um so auf traditionelle Wertevorstellungen einzuwirken. In Deutschland wurde in den vergangenen Jahren der Schwerpunkt auf die Stärkung der Rechte betroffener Frauen gelegt, während im angelsächsischen Raum die Arbeit mit Männern im Vordergrund steht. Die afrikanischen Projekte zeichnen sich durch einen großen Einfallsreichtum aus, mit dem die schwachen institutionellen und finanziellen Rahmenbedingungen ausgeglichen werden sollen.
Die interaktive Ausstellung "Rosenstraße 76" will das Schweigen zu häuslicher Gewalt brechen. "Rosenstraße 76" ist eine als Dreizimmer-Wohnung gestaltete begehbare Ausstellung und steht exemplarisch für Räume, in denen Gewalt Zuhause ist. Informationsschilder an alltägliche Gebrauchsgegenständen weisen auf Ursachen, Formen und Auswirkungen häuslicher Gewalt hin wie auf Zahlen und Fakten über das Ausmaß. Das internationale Projekt "Häusliche Gewalt überwinden" von Diakonie und "Brot für die Welt" präsentierte die Ausstellung Rosenstraße 76 erstmalig auf dem Kirchentag 2005 in Hannover. Seitdem wandert sie in verschiedenen Größen und Preisklassen von Stadt zu Stadt.
Der "Internationale Tag gegen Gewalt gegen Frauen" am 25. November wendet sich gegen häusliche Gewalt weltweit. Er wurde erstmals 1981 ausgerufen und erinnert an die Verschleppung, Vergewaltigung und Ermordung von drei Schwestern, die zu Symbolfiguren des Widerstands gegen die Diktatur in der Dominikanischen Republik wurden. Die Schwestern Patria, Minerva und Maria Teresa Mirabal starben am 25. November 1960 durch Soldaten des Trujillo-Regimes.1999 wurde der Aktionstag von den Vereinten Nationen offiziell anerkannt.
Lesen Sie auch das Interview mit Rosemarie Daumüller, Fachreferentin im Arbeitsfeld Gewalt gegen Frauen im Diakonischen Werk der EKD über neue Ansätze zur Bekämpfung der häuslichen Gewalt. Einen virtuellen Rundgang durch die "Rosenstraße 76" und weitere Informationen zur Ausstellung erhalten Sie unter
www.brot-fuer-die-welt.de/rosenstrasse Ausstellungskatalog „Rosenstraße 76“ (pdf, 210 KB)

