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15.07.2002

Blind-PG

Integration fördern

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Massenarbeitslosigkeit ist aus Sicht der Diakonie ein strukturelles Problem. Es mangelt in der Regel nicht am Arbeitswillen der Betroffenen, sondern vielmehr an geeigneten Arbeitsplätzen.

Hilfen müssen an den Lebenslagen der Menschen ansetzen: Eine allein erziehende Frau benötigt eine verlässliche Kinderbetreuung, ein Aussiedler vorrangig sprachliche Integration und Unterstützung bei der Suche nach der ersten Arbeitsstelle, Menschen ohne Schulabschluss zuerst eine Verbesserung der Qualifikation.

Integration fördern - Ausgrenzung vermeiden
Diakonie widerspricht der "Faulenzer-Debatte"
Das Diakonischen Werk der Evangelischen Kirche widerspricht den in Gesellschaft und Politik pauschal geäußerten Vorurteilen über erwerbslose und arme Menschen. Diakonie-Präsident Pfarrer Jürgen Gohde: "Die Diskussion über die Bekämpfung von Arbeitslosigkeit, Armut und Ausgrenzung zeigt häufig die Tendenz zur Vereinfachung. Eine besonders gefährliche Variante sind die immer wieder kehrenden Missbrauchsdebatten. Damit werden Menschen öffentlich beschämt und diffamiert." Wer soziale Rechte und Leistungen, die grundlegende Schutzrechte für alle Bürgerinnen und Bürger sind, in Anspruch nehme, dürfe nicht in Misskredit gebracht werden. "Diese Leistungen sind kein Luxus und müssen nicht erst verdient werden", betont Gohde. Es gebe zu wenig Arbeitsplätze für die, die Arbeit suchten.

Schwer vermittelbare Langzeitarbeitslose brauchen einen quantitativen und qualitativen Ausbau der Arbeitsberatung und -vermittlung. Auch eine Arbeitsbegleitung mit persönlicher und fallbezogener Hilfe und Unterstützung ist notwendig. Diese Maßnahmen dienen überwiegend der Stabilisierung, Vorbereitung und Heranführung von Langzeitarbeitslosen an den Arbeitsmarkt, die sonst kaum eine Chance hätten. "Es ist unsinnig ihre Effektivität ausschließlich an kurzfristigen Vermittlungsquoten zu messen", stellt Gohde klar.

Die Diakonie wendet sich gegen Versuche, soziale Leistungen für Erwerbslose noch weiter zu reduzieren. Es sei empirisch nicht bewiesen, dass Betroffene erst "aktiviert" werden müssten. Viele schafften es innerhalb eines Jahres ihre Existenz dauerhaft ohne Hilfen zum Lebensunterhalt zu sichern. Andere hätten häufig objektive Gründe für lange Arbeitslosigkeit wie zum Beispiel allein zu erziehende Kinder oder Erwerbsunfähigkeit. Gohde: "Aktiviert werden muss der Arbeitsmarkt, nicht der Hilfeempfänger."

Als weiteres Hauptrisiko für längere Arbeitslosigkeit gilt neben Geschlecht und Nationalität vor allem das Lebensalter. Das Diakonische Werk setzt sich insbesondere für ältere Arbeitslose ein, die unter den Langzeitarbeitslosen überproportional vertreten sind. Gohde: "Es ist ein Alarmzeichen, dass nur noch in 40 Prozent aller Betriebe Personen über 50 beschäftigt sind. Die über 50-Jährigen sind eine wertvolle Zielgruppe, in die es sich lohnt zu investieren".

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