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22.10.2003

Blind-PG

Frühstücksfernsehen live in Bethel

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Das Morgenmagazin von ARD und ZDF sendet in dieser Woche zum Europäischen Jahr der Menschen mit Behinderungen live aus den von Bodelschwinghschen Anstalten Bethel in Bielefeld.

Für Behinderte sei es eine große Chance, mit ihrem Anliegen in die Öffentlichkeit zu kommen, sagte der Vorstandsvorsitzende des größten diakonischen Werks Europas, Friedrich Schophaus, am Montag.

Zeit bleibt nur für eine kurze Probe, dann kommt schon das Signal aus dem Übertragungswagen: die Live-Sendung läuft. Reporter Olaf Bock schlendert an einer Reihe Kisten mit Briefen vorbei. Dann ein Schwenk zu der Mitarbeiterin Mechthild Nickel, die in der Briefmarken-Sammelstelle der von Bodelschwinghschen Anstalten Bethel die Marken mit einer Pinzette vorsichtig in verschiedene Kisten einsortiert.
Wenn Mechthild Nickel von ihren epileptischen Anfällen erzählt, unter denen sie seit ihrem Autounfall leidet, flimmert sie deutschlandweit über die Fernsehschirme. Zum Europäischen Jahr der Menschen mit Behinderungen sendet das Morgenmagazin von ARD und ZDF eine ganze Woche lang live Beiträge aus Europas größter Behinderteneinrichtung mit Sitz in Bielefeld. Am ersten Tag ging es in den drei rund sechsminütigen Beiträgen um die Arbeit in den Behindertenwerkstätten. Es folgen Beiträge über das Leben in den Wohngruppen, über Epilepsie und integratives Theater.

Die Interviewpartner aus der Behinderteneinrichtung haben ihren Spaß an der Live-Sendung. "Ich war gar nicht aufgeregt", erzählt die 25-jährige Kurdin Azadeh aus der Montagewerkstatt ihrem Kollegen Wolfgang stolz. Auch er hatte sich schon auf diesen Tag gefreut, doch dann stellte sich während der Übertragung heraus, dass für ihn keine Zeit mehr war. "Das ist eben live - das kann passieren", entschuldigen sich die Redakteure und der Reporter.

Die Leitung der diakonischen Einrichtung ist von den Reportagen zur besten Sendezeit begeistert. "Wir freuen uns, dass der WDR unsere Anregung im Europäischen Jahr der Menschen mit Behinderungen aufgenommen hat und sich eine Woche lang intensiv mit dem Leben von behinderten Menschen auseinander setzt", erklärt der Bethel-Vorstandsvorsitzende Friedrich Schophaus. Für die Behinderten sei es eine große Chance, mit ihrem Anliegen in die Öffentlichkeit zu kommen. Der Bethel-Chef hofft, dass die Sendungen helfen, Berührungsängste gegenüber Behinderten abzubauen.

Trotz aller Vorbereitung gibt es auch für die Redakteure immer wieder eine Überraschung. Die Kamera schwenkt gerade auf David Penner, der mit seinem Rollstuhl vor einem Computerbildschirm sitzt. Hier verfasst er Dankesbriefe an die Spender der Briefmarken. Als David, der durch Sauerstoffmangel bei seiner Geburt spastisch gelähmt ist, ruhig und konzentriert erzählt, ist selbst im Übertragungswagen die Spannung zu spüren. "Ich möchte gerne eine Person sein", erzählt David. "Durch diese Tätigkeit kann ich zeigen, was ich bin und was ich kann." Ein besseres Schlusswort, so die einhellige Meinung, hätte auch ein Profi nicht hinbekommen.

(Holger Spierig, epd)

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