23.11.2007
Frauen in hohem Maße von Gewalt betroffen
Am 25. November ist Internationaler Tag gegen Gewalt gegen Frauen
Auch 2006 waren Frauen in Deutschland in einem hohen Maße von häuslicher Gewalt betroffen.
Dies ergab eine kürzlich veröffentlichte Studie zur "Lebenssituation, Sicherheit und Gesundheit von Frauen in Deutschland". Die gesundheitlichen und sozialen Folgen sind weitreichend.
Viele der Taten geschehen im nahen sozialen Umfeld. Insbesondere Trennung und Scheidung, oder auch nur die Absicht dazu, sind mit einem hohen Risiko für Frauen verbunden, Opfer von körperlicher oder sexueller Gewalt durch den Partner oder Ex-Partner zu werden.
Migrantinnen und behinderte Frauen sind besonders gefährdet
Gefährdet sind vor allem Frauen türkischer und osteuropäischer Herkunft, die häufig schwerere Formen von körperlicher und sexueller Gewalt erleiden müssen. Viele Migrantinnen müssen auch in Deutschland Zwangsverheiratungen fürchten. Zwangsprostitution und Menschenhandel sowie Genitalverstümmelung sind weitere Gewaltformen, von denen Migrantinnen besonders stark betroffen sind.
Besonderen Schutz vor Gewalt brauchen Frauen mit Behinderungen. Nicht selten nutzen pflegende Personen die Abhängigkeitssituation dieser Frauen aus. Gerade Frauen mit sogenannter geistiger Behinderung sind häufig nur unzureichend sexuell aufgeklärt und wissen über ihren Körper, ihre Sexualität und ihr Recht auf Intimsphäre nicht Bescheid. Kommt es zu Gewalt, können sie sich oft nicht verständlich artikulieren oder ihre Hinweise werden nicht ernst genommen.
Gewalt in der Kindheit hat Auswirkung auf das Erwachsenenleben
In der Kindheit erlebte Gewalt hat nachhaltige Auswirkungen auf das Erwachsenenleben. Frauen, die als Kinder Gewalt zwischen den Eltern erlebt oder selbst Opfer von Gewalt durch die Eltern waren, werden als Erwachsene dreimal so häufig Opfer von häuslicher Gewalt wie andere Frauen. Opfer von sexuellem Missbrauch vor dem 16. Lebensjahr werden im Erwachsenenleben sogar doppelt so häufig Opfer von häuslicher Gewalt. In etwa 21 bis 25 Prozent der Fälle geraten die Kinder mit in die Auseinandersetzungen oder versuchen, die Mutter zu verteidigen. Jedes zehnte Kind wird dabei selbst körperlich angegriffen.
Prävention und Unterstützung sind notwendig
Im Vorfeld von Gewalt ist frühzeitige Prävention nötig, um Kindern und Jugendlichen gewaltfreie Konfliktlösungsmethoden zu vermitteln und stereotype Vorstellungen von Geschlechterrollen zu hinterfragen.
Notwendig ist ein breit gefächertes Unterstützungssystem mit Frauenhäusern, Zufluchtswohnungen, Notrufen, Frauenberatungsstellen und Interventionsstellen.
Frauen, die aus unterschiedlichen Gründen Schwierigkeiten haben, die bestehenden Angebote in Anspruch zu nehmen, brauchen ein niedrigschwelliges, leicht erreichbares und anonymes Angebot.
In vielen Fällen häuslicher Gewalt sind die ersten und damit entscheidenden Ansprechpersonen Ärztinnen und Ärzte sowie Pflegepersonal aus dem Gesundheitsbereich. Diese müssen weiterhin ermutigt und unterstützt werden, Gewaltopfern nicht nur medizinisch zu helfen.
Die Diakonie ist Trägerin von Frauenhäusern sowie spezialisierten Beratungsstellen, die Opfern von häuslicher Gewalt Schutz und Hilfe anbieten. Die Diakonie unterstützt auch die Opfer von Menschenhandel und Prostituierte in Notlagen. Alle Hilfeangebote sind an die vielfältigen Nöte und Bedürfnisse der Betroffenen angepasst.
Seit 1981 engagieren sich jedes Jahr am 25. November Frauenorganisationen weltweit, um Gewalt gegen Frauen zu bekämpfen. 1999 erklärten die Vereinten Nationen den 25. November zum "Internationalen Tag zur Beseitigung jeder Form von Gewalt gegen Frauen". Er geht zurück auf das Jahr 1960. Damals wurden drei Schwestern aufgrund ihrer politischen Aktivitäten vom militärischen Geheimdienst der dominikanischen Republik nach monatelanger Folter ermordet.
Das Diakonischen Werk der EKD hat gemeinsam mit den Aktionen "Brot für die Welt" und "Hoffnung für Osteuropa" von 2004 bis 2006 das Eine-Welt-Projekt "Häusliche Gewalt überwinden" durchgeführt. Ziel war es, verschiedene Strategien des Umgangs mit häuslicher Gewalt zusammen zu tragen und nutzbar zu machen. Die Projekterfahrungen werden derzeit für ein praxisorientiertes Handbuch zur Überwindung von häuslicher Gewalt aufgearbeitet, das noch dieses Jahr erscheinen soll.
Mit der Verbesserung der sozialen und rechtlichen Situation von Prostituierten, die in besonderem Maß von Ausbeutung, Armut, Gewalt und Rechtlosigkeit betroffen sind, beschäftigte sich eine Fachtagung der Arbeitsgemeinschaft im Diakonischen Werk der EKD zu Prostitution und Menschenhandel. Eine Dokumentation der Tagung können Sie als Diakonie-Text 20/2007 herunterladen.

