18.09.2008
„Es tut mir unendlich leid“
Präsident Kottnik zu den aktuellen Vorwürfen in der Heimkinder-Diskussion
Zu der aktuell neu aufgebrochenen Diskussion um die Heimkinder in den 50er und 60er Jahren hat der Präsident des Diakonischen Werkes der EKD Stellung bezogen.
Er tat dies auf einer gemeinsamen Kinder- und Jugendpolitischen Veranstaltung des Diakonischen Werkes der EKD und der Evangelischen Akademie zu Berlin am 15. September 2008 in Berlin in Anwesenheit von Bundesfamilienministerin Ursula von der Leyen. Das Statement hat folgenden Wortlaut:
„Es gab Zeiten in der Nachkriegsgeschichte der 50er und 60er Jahre, in denen nicht alles getan wurde, um jedem jungen Menschen eine gute Zukunft zu ermöglichen. Manchmal war es sogar das genaue Gegenteil. Ein Rundfunkbeitrag des NDR von heute und eine Veröffentlichung des Diakonischen Werkes Hannovers haben dies aktuell eindrücklich dargestellt. Es waren junge Menschen in einzelnen diakonischen Einrichtungen davon betroffen. Mir tut das unendlich leid.
Ich stehe im Kontakt mit dem Verein ehemaliger Heimkinder und einzelnen Menschen, die ihre Heimzeit auch als Leidenszeit erfahren haben. Umso wichtiger ist es, dass wir heute alles für eine gute Zukunft der benachteiligten Kinder und Jugendlichen tun.
Was tut das Diakonische Werk der EKD zur Vergangenheitsbewältigung? Wir tragen dafür Sorge und haben uns dafür auch finanziell engagiert, dass eine gemeinsame Forschungsgruppe von evangelischer und katholischer Kirche an der Universität Bochum diese Zeit der Heimerziehung wissenschaftlich erforscht und aufarbeitet. Außerdem haben wir ehemalige Heimkinder bestärkt, sich an ihre Einrichtung zu wenden, um mit deren Hilfe die eigene Kindheitsgeschichte aufzuarbeiten.
Und wir wollen, dass der Runde Tisch mit ehemaligen Heimkindern, Vertretern der Heimträger und Kostenträgern und Politikern rasch seine Arbeit aufnimmt, damit sich dorthin jeder Betroffene wenden kann, um Hilfe zu bekommen. Verehrte Frau Ministerin ich bitte Sie dringend, den Antrag der Geschäftsstelle des Runden Tisches zur Finanzierung positiv zu bescheiden, damit die Arbeit umgehend aufgenommen werden kann. Ich finde, wir sollten jetzt Zeichen der Hoffnung setzen. Wir wollen, dass der Runde Tisch noch in diesem Jahr seine Arbeit aufnimmt und zu einem Ergebnis im Sinne der Heimkinder kommt.“

