27.10.2008
Diakonie Deutschland kritisiert Bildungsgipfel
Politik verspielt die Zukunft des Landes
Hamburg/Berlin (DW EKD) Die Diakonie sieht das über weite Strecken praktizierte Konzept des „schlanken Staates“ als gescheitert an.
Statt dieser „Verschlankung“ zeigt das Beispiel der Finanzwirtschaft, dass es ohne Regelungen seitens des Staates und der Staatengemeinschaft nicht geht. Plötzlich sind zur Behebung und Korrektur von Managementfehlern Gelder in bisher nie geahnter Höhe vorhanden.
Während das Bildungswesen, die Krankenhäuser und Pflegeheime sowie die sozialen Berufe finanziell ausbluten, stehen für das Finanzroulette der Banken 500 Milliarden Euro zur Verfügung. Vor diesem Hintergrund wirken die jahrelang gemachten Aussagen von den leeren Kassen wie blanker Hohn.
Die auf dem Bildungsgipfel in Dresden versprochene Steigerung der Ausgaben kann die jahrzehntelangen Bildungsversäumnisse nicht ausgleichen.
Zudem bleiben wichtige sozialpolitische Aufgaben wieder ungelöst. Wesentliche Felder von Bildung und Befähigung wurden nicht berücksichtigt. Tausende von Bildungsträgern der Freien Wohlfahrtspflege finden keine Berücksichtigung und werden weiterhin einer unsicheren Finanzierung überlassen.
Einige Beispiele: Verschiedene diakonische Bildungsträger wie etwa das „Rauhe Haus“ in Hamburg bringen Schulverweigerer zurück auf eine gute Bahn, so dass sie ihren Schulabschluss machen können, einen Beruf erlernen und sich in die Gesellschaft integrieren. Die Erfolgsquote liegt bei ca. 80%.
Andere wieder bieten spendenfinanziert Hausaufgabenhilfen für benachteiligte Schüler an, sie leisten Erziehungshilfen, um Jugendlichen Chancen zu eröffnen, sie bringen Arbeitslose in Beschäftigung und stellen die große Mehrzahl der deutschen Kindertagesstätten.
Der Bildungsgipfel hat es abgelehnt, Sozialarbeit an den Schulen und Schulessen besser zu finanzieren.
Dies ist vor dem Hintergrund der Bankenkrise ein beispielloser Skandal.
Die Diakonie sieht die Gemeinwohlinteressen dieses Landes durch falsche Prioritätensetzungen als massiv gefährdet an. Sie fordert Vertrauen für jene, welche dem Land gemeinwohlorientiert Sicherheit und Zukunft geben, sie fordert Misstrauen gegenüber jenen, welche diese Zukunft verspielen.

