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04.07.2002

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Dekade zur Überwindung von Gewalt

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Der Umgang mit Gewalt spielt in vielen Arbeitsfeldern der Diakonie eine Rolle: In der Katastrophenhilfe, deren Mitarbeitende die Lage von Menschen in Kriegen, Bürgerkriegen und ethnischen Konflikten nur zu gut kennen; bei Brot für die Welt, die gemeinsam mit ihren Partnerorganisationen gegen gewaltträchtige ökonomische Verhältnisse kämpfen; in vielen diakonischen Einrichtungen in Deutschland, in denen die Mitarbeitenden mit Gewaltopfern aber auch mit Tätern konfrontiert werden.

Die „Dekade zur Überwindung von Gewalt: Kirchen für Frieden und Versöhnung (2001-2010)" wurde vom Ökumenischen Rat der Kirchen (ÖRK) ausgerufen. Neben Kirchen und ökumenischen Gruppen ist jede/r Einzelne eingeladen, sich aktiv für Frieden, Versöhnung und Gewaltlosigkeit einzusetzen. Mit einer Fragebogenaktion will die Diakonie nun die Erfahrungen und Lösungsansätze in ihren Werken und Einrichtungen mit diesem Thema erfassen. In einem zweiten Schritt sollen bereits bestehende Aktivitäten vernetzt werden.

Höhepunkte der Versammlung

Der 158 Mitglieder zählende Zentralausschuss des Ökumenischen Rates der Kirchen (ÖRK) vertagte sich am Dienstag Nachmittag (6. Februar) nach einem historischen 9-tägigen Treffen in Potsdam - dem ersten im vereinigten Deutschland. Das Thema Versöhnung hatte einen großen Teil der Tagung beherrscht, auf der auch die ÖRK-Dekade zur Überwindung von Gewalt (DOV) offiziell eröffnet wurde.

Die Dekade zur Überwindung von Gewalt: Kirchen für Frieden und Versöhnung (2001-2010) begann mit einer Nachtwache am Samstag und einem Gottesdienst am Sonntag (4. Februar) in der im Krieg zerbombten Kaiser-Wilhelm-Gedächtniskirche in der Berliner Innenstadt. Den Abschluss der Feierlichkeiten bildete eine Lichterprozession im Schnee vom Haus der Kulturen der Welt zum Brandenburger Tor, wo sich die Zentralausschussmitglieder verpflichteten, "gemeinsam für eine Beendigung der Gewalt zu arbeiten und dauerhaften Frieden und Gerechtigkeit aufzubauen".

Die Themen Versöhnung und Gerechtigkeit zogen sich durch die gesamte Tagung. Die Sonderkommission zur orthodoxen Mitarbeit im ÖRK hat ihren Auftrag ungefähr zur Hälfte erfüllt, und die Zentralausschussmitglieder äußerten sich optimistisch über den Fortgang der Arbeit. Die Kommission hat den Auftrag, Veränderungen "in Struktur, Stil und Ethik des ÖRK" vorzuschlagen. Ein Vorschlag, der bereits Aufmerksamkeit erregt - und heftige Debatten ausgelöst - hat, besteht darin, Beschlüsse eher im Konsensverfahren als durch Mehrheitsvotum zu fassen.

Der Zentralausschuss verlängerte die Amtszeit von ÖRK-Generalsekretär Konrad Raiser um ein Jahr bis Dezember 2003, da der Rat in den kommenden Jahren zahlreiche Angelegenheiten regeln muss, darunter auch die Veränderungen, die voraussichtlich von der Sonderkommission empfohlen werden.

Der Vorsitzende des Zentralausschusses, S.H. Aram I, löste mit seinen Ausführungen zu der Frage, ob Christen die Anwendung von Gewalt zum Zweck einer humanitären Intervention billigen sollten, eine lebhafte Debatte aus. Nach längerer Aussprache beschloss der Ausschuss, den Mitgliedskirchen des ÖRK den diesbezüglichen Bericht "zur weiteren Prüfung und Reflexion sowie zur Verwendung nach eigenem Gutdünken" zuzuleiten.

Der Zentralausschuss rief den ÖRK auf, an seinen "Bemühungen um einen Frieden im Nahen Osten festzuhalten, der auf dem Verhandlungswege erreicht wird und völkerrechtlich abgesichert ist". Weitere öffentliche Erklärungen enthielten einen Aufruf an den Sudan, die Bombardierung von Zivilisten einzustellen; eine Verurteilung des "Kolumbienplans" der USA, der eine Bereitstellung militärischer Unterstützung für dieses Land vorsieht; einen Aufruf zur gerechten Wiedervereinigung Zyperns sowie einen Appell an die politischen Verantwortlichen Indonesiens, eine friedliche Beilegung des dortigen Konflikts anzustreben.

Der Zentralausschuss bekräftigte seine Auffassung, dass die Industrieländer die "moralische Hauptverantwortung für die Beschleunigung des Klimawandels" tragen, und ersuchte die Mitgliedskirchen in diesen Ländern, ihre Regierungen zu einer Reduzierung der Emissionen aufzurufen.

In einer Plenarsitzung zur Weltwirtschaft wiesen mehrere Mitglieder des Zentralausschusses auf die Ungerechtigkeit der Auslandsschulden hin, die viele arme Länder bei reichen Gläubigern wie der Weltbank oder dem Internationalen Währungsfonds haben. Bischof Aldo Manuel Etchegoyen (Evangelisch-Methodistische Kirche von Argentinien) sagte, die Schulden seien "unmoralisch" und die Kirche sei die einzige Institution, die sie kritisiere.

Über Ökumenische Herausforderungen im Gastland der Zentralausschusstagung sprachen mehrere kirchliche Persönlichkeiten aus Deutschland. Rund ein Drittel der 82 Millionen Menschen zählenden Bevölkerung gehören keiner Kirche an oder sind Anhänger anderer Religionen, wie Pastor Tim Kuschnerus von der Evangelischen Kirche in Deutschland ausführte. "Die große Herausforderung, vor der wir heute stehen", so Bischof Dr. Walter Klaiber (Evangelisch-Methodistische Kirche in Deutschland), "ist es, Menschen, die vielleicht gar nichts von Gott wissen wollen, ... sein 'Ja' weiterzusagen."

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