BFD im Pflegeheim: "Es ist lustig mit den Älteren“

- Am 25. April ist Boys‘ Day, der Jungen auf Berufe aufmerksam machen will, in denen Männer unterrepräsentiert sind. Zum Beispiel Altenpfleger – hier liegt der Männeranteil bei gerade mal knapp 20 Prozent.

Marcio Huschka
Marcio Huschka will nach dem BFD eine Ausbildung als Jugend- und Heimerzieher machen Diakonie/Ulrike Pape

Johann Engel, 81 Jahre alt, hat eine Zeit lang nicht gegessen. Jedes Mal, wenn ihm eine Pflegekraft das Essen reichte, schüttelte er mit dem Kopf oder stocherte nur auf dem Teller herum. Dann kam Marcio Huschka. Bei dem jungen Mann, der für ein Jahr als Bundesfreiwilligendienstler  im Pflegeheim Kloster Lorch tätig ist, fing er wieder an zu essen. Und strahlt, wenn der 21-Jährige zur Tür hereinkommt. "Ich mag Herrn Engel aber auch", sagt Marcio Huschka, der als Adoptiv-Kind von Brasilien nach Deutschland kam, "Wir haben einen guten Draht zueinander". Berührungsängste hat er keine. Liebevoll beugt er sich über ihn im Bett und stupst seine Nase. Johann Engel lacht.

Aber auch Engels Zimmernachbar hat den neuen BDFler ins Herz geschlossen: "Marcio, schau mal, dieses Buch habe ich vor Jahren von deutschen Auswanderern in Brasilien geschenkt bekommen", sagt Emil Wruck (80) und schlägt eine Seite auf mit der Überschrift "Glückliche Jahre in Brasilien", "Möchtest du es dir ausleihen?"

Marcio Huschka am Bett von Johann Engel
Der BFD-ler ist gerne bei Johann Engel Diakonie/Ulrike Pape

Der BFD mit Senioren fiel ihm anfangs schwer

Dabei fiel Marcio Huschka die Arbeit zunächst nicht so leicht, als er im August seinen BFD im Kloster Lorch antrat, das zur Evangelischen Heimstiftung  gehört. Er spielte sogar kurz mit dem Gedanken, seinen freiwilligen Dienst im Pflegeheim wieder abzubrechen. "Am Anfang ist es schwer, weil man es nicht kennt, morgens zum Beispiel jemanden zu waschen", erinnert er sich heute, "Aber nach einer Weile ergibt sich das wie von selbst." Auch das gute Arbeitsklima habe dazu beigetragen, dass er sich inzwischen rundum wohl fühlt. Ab und zu geht er mit einigen Kollegen nach Feierabend joggen. Er ist der einzige BFDler im Pflegeheim, aber er fühle sich gleichwertig, wie er sagt. Er hilft mit bei den Aufgaben, die auch die Azubis und die Altenpflegehelfer machen, und nimmt an Fortbildungen teil, zum Beispiel zum Thema Mundhygiene.

Marcio Huschka am Tisch mit Emil Wruck
Emil Wruck leiht Marcio Huschka brasilianische Bücher aus Diakonie/Ulrike Pape

"Viel an Lebenserfahrung gewonnen"

Dass er "etwas mit Menschen“ machen will, steht für Marcio Huschka schon lange fest: "Ich habe eine soziale Ader", sagt er über sich und lächelt. Nach der 10. Klasse machte er ein Praktikum im Kindergarten. Auch war er lange Zeit Jugendtrainer. Der Bundesfreiwilligendienst wird ihm als Praktikum für seine Fachhochschulreife angerechnet. Danach möchte er eine Ausbildung als Jugend- und Heimerzieher machen und eventuell noch Soziale Arbeit an der Fachhochschule studieren. "Die Arbeit mit jungen Leuten macht mir Spaß", sagt er und strahlt. Im Pflegeheim hat er dagegen überwiegend mit älteren Menschen zu tun – für ihn eine neue und wertvolle Erfahrung: "Ich hätte nicht gedacht, dass man mit älteren Menschen ganz normal reden kann", sagt er, "Und dass man mit ihnen Späßchen machen kann, wir können tatsächlich gemeinsam lachen! Es ist lustig!" Ohnehin könne er viel dazu lernen: "Wenn man ein Jahr im Altenheim geschafft hat, hat man viel an Lebenserfahrung gewonnen." Respekt vor älteren Menschen sei wichtig. Und im Alltag für andere da zu sein und ihnen zu helfen, wenn es ihnen schlecht geht, resümiert der BFD-ler.

Nie aufgeben!

Aber auch die Senioren können einiges von Marcio Huschka lernen: "Dass man nie aufgibt und immer versucht, das Beste draus zu machen", sagt er im Hinblick auf seine eigene anfängliche Skepsis. Er ist dabei geblieben und hat durchgehalten – zum Glück: "Es ist gut, dass ich angefangen habe und auch weitermache! Ich bereue es nicht" – im Gegenteil: "Es bestätigt mich, dass ich beruflich auf jeden Fall etwas Soziales machen muss!"

Text: Diakonie/Ulrike Pape