Ausbildung in Teilzeit: Eine Chance für junge Mütter

- Geschafft! Sabrina Friedrich, frischgebackene Kauffrau für Bürokommunikation, hat einen festen Arbeitsvertrag in der Tasche. Eine Teilzeitausbildung beim diakonischen Projekt "Sina" in Hannover machte es möglich.

Ausbildung
Sabrina Friedrich mit ihrem Sohn, SINA-Leiterin Helia Geller-Fehling und Fachanleiterin Bettina Herter. Ines Goetsch

2005 war die damals 17-jährige Sabrina Friedrich aus Sachsen-Anhalt ins niedersächsische Hannover gezogen, um eine Ausbildung in einer Rechtsanwaltskanzlei zu beginnen. "Nach der Probezeit war dann plötzlich Schluss", sagt Sabrina Friedrich. Warum, weiß sie bis heute nicht. Andere Versuche, eine Ausbildung zu beginnen, scheitern. Sie lebt von Arbeitslosengeld II. Dann wird sie schwanger und kümmert sich in den folgenden Jahren um ihren Sohn und den Familienhaushalt. Ihr Freund ist als Fliesenleger viel unterwegs. Als der Sohn mit drei Jahren in den Kindergarten kommt, sucht sie nach Möglichkeiten, ins Berufsleben einzusteigen.

Eine normale Ausbildung ist für sie zu diesem Zeitpunkt undenkbar: "Das wäre schon an der Betreuung gescheitert. Mein Sohn hatte keine Aussicht auf einen Ganztagsplatz im Kindergarten", erklärt die 27-Jährige. Außerdem sei ihr Selbstbewusstsein durch den gescheiterten ersten Ausbildungsversuch und die Pause in der Familienzeit "ziemlich weit unten gewesen", meint die junge Frau. Das Jobcenter bietet ihr schließlich eine Beschäftigungsmaßnahme im diakonischen Projekt SINA (Soziale Integration Neue Arbeit) an – eine Chance, die sie gerne ergreift. Dort arbeitet sie einige Monate im Medienbüro, gestaltet Flyer und Visitenkarten, und findet vor allem wieder Zutrauen in die eigenen Fähigkeiten. Und sie erfährt von der Möglichkeit der Teilzeitausbildung. "Da war ich sofort Feuer und Flamme", erinnert sich Sabrina Friedrich.

Tägliche Arbeitszeit sechs statt acht Stunden

Seit 2001 bietet das Team von SINA jungen ALG II-Bezieherinnen in Kooperation mit Betrieben und Berufsschulen eine dreijährige Teilzeitausbildung im Rahmen des dualen Ausbildungssystems an. "Junge Frauen mit kleinen Kindern und ohne eine Ausbildung haben es oft besonders schwer, beruflich Schritt zu fassen", sagt SINA-Leiterin Helia Geller-Fehling. Der wesentliche Unterschied der Teilzeitausbildung zur normalen Ausbildung ist, dass die tägliche Arbeitszeit sechs statt acht Stunden beträgt. Die Berufsschule besuchen die Teilzeit-Azubis genauso wie Vollzeitauszubildende. Wichtig sei aber auch die Begleitung der jungen Frauen während der Ausbildung, erläutert die SINA-Leiterin.

Flexible Kinderbetreuung für Notfälle

Die gezielte sozialpädagogische Vorbereitung und Unterstützung soll die jungen Mütter stärken, die Ausbildung durchzuhalten, auch wenn Probleme auftreten. "Wir arbeiten präventiv, das ist das Besondere", betont Geller-Fehling. Dies nütze den jungen Frauen ebenso wie den Ausbildungsbetrieben, die sich auf ihre Auszubildenden verlassen könnten. "Stress in der Familie oder häufige Erkrankungen der Kinder können die Ausbildung gefährden", weiß Geller-Fehling. Deshalb bietet die Einrichtung auch eine flexible Kinderbetreuung für Notfälle an.

Sabrina Friedrich nutzte das begleitende Angebot vor allem, um sich im Fach Rechnungswesen Nachhilfe geben zu lassen. "Das lag mir nicht so", sagt die lebhafte junge Frau und schmunzelt. Vor allem aber habe sie davon profitiert, dass sie bei Sina stets eine Ansprechpartnerin gehabt habe, sagt Friedrich. Der Erfolg gibt dem Projekt recht: "60 bis 80 Prozent unserer Absolventinnen werden direkt nach der Ausbildung in ihren Betrieben weiterbeschäftigt oder finden eine sozialversicherungspflichtige Beschäftigung in anderen Betrieben", verweist Geller-Gehling auf die positive Statistik von SINA. Weitere 10 bis 20 Prozent schließen eine Fortbildung oder ein Studium an. Finanziert wird das Projekt im wesentlichen aus Mitteln vom Jobcenter, der Stadt und Region Hannover sowie von Stiftungen. Seit 2005 ist die Teilzeitausbildung im Rahmen des Berufsausbildungsgesetzes (BBiG) anerkannt.

Und auch bei Sabrina Friedrich hat die Weiterbeschäftigung in ihrem Ausbildungsbetrieb, einer großen Steuerberatungsgesellschaft, geklappt – "natürlich wieder in Teilzeit!", erklärt die selbstbewusste Mutter eines mittlerweile achtjährigen Grundschülers.

2015 ist die Grundsicherung für Arbeitsuchende (Hartz IV) zehn Jahre in Kraft. Zehn Thesen setzt die Diakonie diesem denkwürdigen Jubiläum entgegen. Das Ziel: Menschenwürde und soziale Teilhabe verwirklichen.  Zu jeder These gibt es einen Beitrag. Diser Beitrag gehört zu der fünften These.

Text: diakonie.de/ Ines Goetsch