Allein Erziehende
Ledige, getrennt lebende, geschiedene oder verwitwete allein erziehende Frauen und Männer sind in der Regel für die Erziehung ihres Kindes/ihrer Kinder allein verantwortlich. Derzeit gibt es in Deutschland rund 2,6 Millionen allein Erziehende mit Kindern, 86 Prozent sind Mutter-Kind-Familien. Die ökonomische und soziale Situation vieler allein erziehender Mütter und zum Teil auch Väter ist oft sehr belastend.
Allein erziehende Mütter oder Väter erleben
- finanzielle Unsicherheit und Abhängigkeit von unregelmäßigen Unterhaltszahlungen und/oder von den Leistungen der Sozialhilfe.
- sich als Ernährerin oder Ernährer der Familie und als alleinverantwortlich für die Kinder und die Hausarbeit.
- es oft als schwierig, diese Aufgaben zu vereinbaren. Denn es fehlen geeignete, familienfreundliche Arbeitsplätze und geeignete, bezahlbare Kinderbetreuung und es mangelt an bezahlbarem Wohnraum. Vielfach leben sie mit ihren Kindern in zu kleinen Wohnungen oder bei den Eltern.
- ihre Situation häufig als individuelles Versagen und leiden unter Schuldgefühlen ihren Kindern gegenüber.
- ihre Situation aber auch als neue Lebensform, die Freiräume zulässt und manche Konflikte gar nicht erst oder nicht mehr auftreten lässt.
Neben der individuellen Sichtweise ist es besonders wichtig, die gesellschaftlichen und strukturellen Benachteiligungen von allein Erziehenden zu erkennen.
Allein Erziehende wünschen sich von Kirche und Diakonie
- dass ihre Familie als eine Lebensform von vielen akzeptiert und anerkannt wird.
- dass sie sich partnerschaftlich verhalten, z.B. in der gegenseitigen Hilfe bei der Kinderbetreuung im Alltag und in den Ferien, in der Gestaltung der Familienangebote, im Angebot von kompetenter Beratung und Seelsorge, im Angebot von Räumen als Inseln des Austausches mit Anderen, Inseln der Ruhe, im Angebot von (gelegentlicher) finanzieller Unterstützung in Notsituationen.
- dass sie die Lebenswirklichkeiten von allein Erziehenden im Blick haben und ihre Angebote darauf ausrichten.
- dass sie die Chance ergreifen und aus den Erfahrungen von allein Erziehenden lernen: aus ihren Erfahrungen in der Bewältigung von Krisen, ihren Erfahrungen in Zeiten des Umbruchs, ihren Strategien des Überlebens, der Neuorganisation des Alltags und ihrer Lebensziele, ihrer Ehrlichkeit beim Ansehen der Beziehungsstruktur und beim Zurückschauen und ihren Mut zum Neuanfang nach der Trennung durch Scheidung oder Tod des Partners.
- dass sie Partei nehmen und sich einmischen. Hier kann ein entscheidender Beitrag zum Abbau finanzieller und struktureller Benachteiligungen der allein Erziehenden geleistet werden.
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Ulrike Gebelein
Kinderpolitik und Familienförderung
Tel.: (030) 83001-342
E-Mail: kinderpolitik(at)diakonie.de

